Naturstein-Imprägnierung: Die 5 größten Mythen

Eine Imprägnierung ist kein unsichtbarer Panzer für Naturstein
Sie haben sich für einen wunderschönen Naturstein entschieden und möchten ihn bestmöglich schützen. Der erste Gedanke ist oft: „Ich brauche die beste Imprägnierung, die es gibt!“ Doch was, wenn wir Ihnen sagen, dass die häufigsten Schäden an Naturstein nicht durch fehlenden, sondern durch falsch verstandenen oder falsch angewendeten Schutz entstehen?
In diesem Beitrag räumen wir mit den größten 5 Mythen rund um die Imprägnierung auf – ehrlich, direkt und basierend auf 30 Jahren Praxiserfahrung.
Inhaltsverzeichnis
Mythos 1: „Eine Imprägnierung schützt den Stein 100% gegen Flecken.“
Warum eine Imprägnierung nur ein Reaktionsfenster schafft
Das Wichtigste zuerst: Eine Imprägnierung ist kein unsichtbarer Vollschutz gegen Flecken. Sie macht den Stein nicht „dicht“. Eine Imprägnierung verhindert nicht das Eindringen von Flüssigkeiten in den Stein, sie verlangsamt es nur erheblich.
Stellen Sie sich die Poren des Natursteins wie ein feines Netzwerk aus winzigen Röhrchen vor. Eine Imprägnierung kleidet diese Röhrchen von innen aus, ohne sie zu verschließen. Dadurch wird die Saugfähigkeit (Kapillarität) des Steins stark reduziert. Ein Tropfen Rotwein, der auf einen unbehandelten Stein fällt, zieht schnell ein. Auf einem imprägnierten Stein perlt er zunächst ab.
Der entscheidende Mehrwert einer Imprägnierung ist Zeit. Sie erhalten ein „Reaktionsfenster“, um den Fleck zu entfernen, bevor er tief in den Stein einziehen kann. Eine Imprägnierung ist also eine erstklassige Alltagshilfe, die Ihnen auch die tägliche Pflege vereinfacht, aber keine Garantie gegen Nachlässigkeit bietet.
- Rotwein auf imprägniertem Stein (nach 5 Minuten weggewischt): Der Fleck lässt sich rückstandslos entfernen.
- Rotwein auf imprägniertem Stein (über Nacht eingewirkt): Der Fleck ist tief in den Stein eingezogen. Die Imprägnierung konnte dem stundenlangen Druck nicht standhalten.
Mythos 2: „Imprägnierter Marmor ist geschützt gegen Säuren und Laugen."
Warum Imprägnierung bei Marmor & Co. bei Säuren und Laugen machtlos ist:
Dies ist der gefährlichste und teuerste Mythos: „Mein Marmor ist imprägniert, also machen die Zitrone oder mein Duschgel nichts.“ Diese Annahme ist jedoch falsch, da die Imprägnierung die Poren im Inneren des Steins schützt, aber den Stein an der Oberfläche nicht vor einer chemischen Reaktion bewahrt.
Das Wichtigste in Kurzform:
- Säure (z. B. aus Zitrone, Wein, Essig) reagiert direkt mit dem Calciumcarbonat (Kalk) des Marmors.
- Die Säure ätzt die Oberfläche an und zerstört die Politur. Es entsteht ein matter, stumpfer Fleck.
- Die Imprägnierung kann die natürliche Empfindlichkeit gegenüber Säuren nicht verändern. Sie kann diese chemische Reaktion nicht verhindern.
Marmor und andere Kalksteine bestehen aus Kalzit. Säure greift dieses Kalzit direkt an der Oberfläche an. Da eine Imprägnierung im Stein sitzt und keinen Schichtbildner (wie eine Versiegelung) darstellt, findet die chemische Reaktion an der Oberfläche ungehindert statt. Es entstehen dann matte, „stumpfe“ Stellen (Verätzungen). Die Imprägnierung verhindert zwar, dass Flüssigkeiten schneller in den Stein einziehen, aber sie rettet nicht den Glanz der Politur. Eine Imprägnierung verlangsamt, dass z. B. Rotwein sehr schnell einziehen kann und eine farbliche Veränderung bewirkt. Sie schützt aber nicht davor, dass die Säure im Wein die Oberfläche chemisch angreift und einen matten Fleck hinterlässt.
Mythos 3: „Im Außenbereich muss man immer imprägnieren.“
Bei einer Imprägnierung im Außenbereich ist Vorsicht geboten!
Falsches Imprägnieren im Außenbereich ist eine der Hauptursachen für Bauschäden. Naturstein im Außenbereich muss „atmen“ können. Wir sprechen von der Wasserdampfdiffusion. Feuchtigkeit drückt oft von unten aus dem Untergrund in den Stein. Wenn Sie die Oberfläche nun mit einer ungeeigneten Imprägnierung zu stark verschließen, kann dieser Dampf nicht mehr entweichen.
Die Folge: Im Winter gefriert diese eingeschlossene Feuchtigkeit direkt unter der imprägnierten Schicht. Das Eis dehnt sich aus und sprengt die oberste Schicht des Steins einfach ab (Abplatzungen). In meinen 30 Jahren Praxis habe ich mehr Schäden durch falsche Pflege gesehen als durch natürliche Verwitterung.
Mythos 4: „Viel hilft viel – je öfter und dicker ich die Imprägnierung auftrage, desto besser.“
Eine häufige Annahme: „Je öfter und dicker ich die Imprägnierung auftrage, desto besser.“
Jeder Naturstein kann nur eine begrenzte Menge an Wirkstoffen aufnehmen. Wenn die Poren gesättigt sind, bleibt der Rest des Mittels an der Oberfläche stehen.
Das Ergebnis: Es bilden sich unschöne Schlieren, Streifen oder ein klebriger Film, der Schmutz wie ein Magnet anzieht. Den Stein dann wieder sauber zu bekommen, ist extrem mühsam. Eine fachgerechte Imprägnierung erfolgt „nass in nass“, überschüssiges Material muss vor dem Antrocknen rückstandslos entfernt werden.
Mythos 5: „Einmal imprägniert – für immer geschützt.“
Häufige Annahme: „Ich habe meinen Naturstein ja imprägniert, also muss ich mir nie mehr Gedanken machen.“
- Die Realität: Leider nein. Eine Imprägnierung ist ein Verschleißartikel.
- Die fachliche Wahrheit: UV-Strahlung, mechanischer Abrieb durch Begehen und vor allem alkalische Reiniger bauen die Schutzwirkung mit der Zeit ab.
- Unser Tipp: Prüfen Sie die Wirkung einfach mit dem Wassertropfen-Test. Bleibt der Tropfen als Perle stehen? Alles gut. Zieht er ein und hinterlässt einen dunklen Fleck? Dann ist es Zeit für eine Auffrischung. Im Innenbereich ist dies oft nach 1-5 Jahren (je nach Hersteller) nötig, auf stark beanspruchten Küchenarbeitsplatten deutlich früher.
Unser Tipp für Sie
Schäden vermeiden durch Information
Bevor Sie eine Imprägnierung vornehmen, lesen Sie unbedingt und sorgfältig die Angaben des von Ihnen gewählten Herstellers sowie die Anwendungsanweisungen, denn jeder Hersteller hat eigene und teilweise gravierende Unterschiede, wie seine Imprägnierung anzuwenden ist.
Wenn Sie unsicher sind, kontaktieren Sie den Hersteller; die meisten haben sogar hierfür eine Kundenhotline.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ja, bei einer Küchenarbeitsplatte ist es sehr empfehlenswert. Es gibt Ihnen das nötige Zeitfenster, um Fette, Öle und andere Flüssigkeiten zu entfernen, bevor sie Flecken bilden.
Das hängt von der Nutzung und dem verwendeten Produkt ab. Auf einer stark genutzten Küchenarbeitsplatte kann eine jährliche Auffrischung sinnvoll sein. Ein selten genutzter Waschtisch im Gästebad benötigt seltener eine neue Schutzbehandlung.
Eine Imprägnierung zieht in die Poren ein und ist dampfdiffusionsoffen. Eine Versiegelung bildet einen dichten Film auf der Oberfläche und ist nicht dampfdiffusionsoffen – daher für die meisten Natursteinanwendungen ungeeignet.
Leichte Verätzungen können manchmal mit speziellen Polierpasten für Marmor behoben werden. Bei tieferen Schäden sollte jedoch ein Fachmann hinzugezogen werden, der die Oberfläche professionell neu schleift und poliert.
Ja, sofern Sie auf zertifizierte Produkte achten. Für Bereiche, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen (Küchen, Esstische), sollten Sie ausschließlich Imprägnierungen verwenden, die eine Lebensmittel-Zulassung (LFGB-geprüft) besitzen. Nach der vollständigen Aushärtung (meist 24–48 Stunden) ist der Kontakt mit Lebensmitteln völlig unbedenklich. Wichtig: Die Imprägnierung ersetzt dennoch nicht die Hygiene – wischen Sie Speisereste trotzdem zeitnah ab.
Das ist ein klassisches Zeichen für eine Übersättigung (Mythos 4). Wenn zu viel Material aufgetragen wurde und es bereits angetrocknet ist, lässt es sich mit Wasser allein nicht mehr entfernen. In diesem Fall hilft oft nur ein spezieller Lösemittelreiniger oder das erneute Auftragen einer kleinen Menge der gleichen Imprägnierung, um die angetrockneten Rückstände wieder anzulösen und dann sofort kräftig mit einem sauberen Tuch abzureiben. Gehen Sie hier vorsichtig vor, um die Politur nicht zu beschädigen.
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